4. Alterskonferenz der Fachkommission für Seniorenfragen

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Seltsam, im Nebel zu wandern!
Einsam ist jeder Busch und Stein,
Kein Baum sieht den andern,
Jeder ist allein.

Voll von Freunden war mir die Welt,
Als noch mein Leben licht war;
Nun, da der Nebel fällt,
Ist keiner mehr sichtbar.

Wahrlich, keiner ist weise,
Der nicht das Dunkel kennt,
Das unenntrinnbar und leise
Von allen ihn trennt.

Seltsam, im Nebel zu wandern!
Leben ist Einsamsein.
Kein Mensch kennt den andern,
Jeder ist allein.

(Im Nebel von Hermann Hesse)

Bereits zum 4. Mal lud die Fachkommission für Seniorenfragen der Gemeinde Steffisburg zur Alterskonferenz ein: «Vereinsamung und schleichende Verwahrlosung im Alter». Zu diesem Thema diskutieren Barbara Siegenthaler, Leiterin SPITEX Zulg, Dr. med. Rolf Koch, Psychiatrie Spital Thun und Claudio Ciabuschi, Abteilungsleiter Dep. Soziales der Gemeinde Steffisburg am Podiumsgespräch unter der Leitung von Susanna Schmid, Präsidentin SPITEX Zulg.

«Ist die Vereinsamung im Alter ein Abbild unserer heutigen Gesellschaft?», so eröffnete Susanna Schmid die Gesprächsrunde. «Es ist immer einfacher wegzuschauen, als hinzusehen», begann Barbara Siegenthaler die Runde. Auch seien die Strukturen in der Familie nicht mehr wie früher, die Grossfamilie gibt es fast nur noch im länd- lichen Gebiet. Es sei sehr wichtig, dass das persönliche Umfeld stark und ausgebaut sei, sonst drohe unweigerlich die Vereinsamung. Aber auch die steigenden Kosten im Gesundheitswesen, die reine Konsumhaltung unserer Gesellschaft, sei ein nicht unerhebliches Problem, ergänzt Claudio Ciabuschi. Wie oft würden doch Probleme mit Familienangehörigen einfach an die Behörden delegiert. «Wir müssen mehr und mehr Beistandschaften errichten, weil niemand da ist, der sich um die Senioren kümmert.» Rolf Koch, Psychiatriearzt am Spital Thun, sieht die Probleme ebenfalls in den veränderten Familienstrukturen. Auf dem Lande sei man eher noch vernetzt, man kenne sich und helfe einander. In den Städten sei man sich fremd und keiner sehe den Andern. Einsam heisst nicht immer alleine. Wenn Freunde und Umgebung «versagen», dann suche man Hilfe bei den Behörden. Aber dies sei eben nicht wirklich persönlich und dadurch könne man sich trotz allem sehr einsam fühlen, betonte Claudio Ciabuschi. Wie wichtig eine soziale Verantwortung sei würden die Meisten erst merken, wenn Probleme da seien. Jeder sollte helfen diese Verantwortung für den Mitmenschen zu leben; d. h. jeder sollte hinschauen, helfen und wo nötig Hilfe holen. Beziehungen seien sehr wichtig im Leben, aber sie müssten verlässlich sein.
Trotz dem Datenschutz, sei die Zusammenarbeit zwischen dem Hausarzt sowie den Sozial- und Pflegediensten sehr gut. Denn ohne ausdrückliche Erlaubnis der Betroffenen dürften eigentlich überhaupt keine Informationen weitergegeben werden. «Aber, auch wenn wir manchmal fast mit einem Fuss im Gefängnis sitzen, steht das Wohl der betroffenen Personen für uns alle immer im Vordergrund», erklärte Claudio Ciabuschi zum Schluss.

4.Fachkonferenz
V.l.n.r.: Rolf Koch, Barbara Siegenthaler, Susanna Schmid und Claudio Ciabuschi diskutierten an der Alterskonferenz vor grossem Publikum.