Was bringt das neue Erwachsenenschutzrecht für die Senioren?

Geschrieben von ld am .

Seit 100 Jahren war das Vormundschaftsrecht fast unverändert in Kraft. Das ab 1.1.2013 geltende neue Erwachsenenschutzrecht soll nun folgende Verbesserungen bringen:
– im Bereich des Selbstbestimmungsrechts
– in der Stärkung der Familiensolidarität
– durch eine Professionalisierung des Vormundschaftswesens.

Da diese Änderungen auch auf die Lebenssituation von Senioren einen grossen Einfluss haben, hat die Gruppe S+S Senioren für Senioren, Steffisburg zu einem Informations- nachmittag eingeladen, der dann auch auf grosses Interesse stiess. Über 50 Senioren und Seniorinnen konnte der neue Leiter von S+S, Ueli Küng, im Ziegelei-Zentrum begrüssen und mit Katrin Nigg, Sozialberaterin von Pro Senectute, eine versierte Re- ferentin vorstellen. Frau Nigg erklärte deshalb auch besonders die für die Senioren interessierenden Punkte dieser neuen Rechtsordnung:
Personen, welche durch Krankheit oder Alter in persönlichen Belangen oder in Vermögensangelegenheiten ihre Urteilsfähigkeit ganz oder teilweise verloren haben, sollen anfänglich durch eine wenig Einfluss nehmende Begleitung unterstützt werden. Mit zunehmender Abnahme der Urteilsfähigkeit soll diese Begleitung ausgebaut werden, bis zu einer umfassenden professionellen Beistandschaft.
Diese erfolgt neu nicht mehr durch Vormundschaftsbehörden in den Gemeinden, sondern Regional durch professionelle Mitarbeiter des Kantons.
Mit der Förderung des Selbstbestimmungsrechts soll auch die Familiensolidarität verbessert werden. Als Vertreter kann nun auch der Partner eingesetzt werden, um dafür zu sorgen, dass Anordnungen im Krankheitsfall oder bei Verlust der Urteilsfähigkeit befolgt werden.
In diesem Zusammenhang erklärte Katrin Nigg, wie eine Patientenverfügung, ein Vorsorgeauftrag und Anordnungen für den Todesfall erstellt werden können. Verschiedene Organisationen haben entsprechende Formulare in ihrem Angebot. Viele Fragen wurden zur Anwendung der Patientenverfügung gestellt. Katrin Nigg beonte, dass es sowohl für Betroffene als auch Angehörige wertvoll und beruhigend sei, zu wissen, dass bei einem Verlust der Urteilsfähigkeit etwas Schriftliches vorhanden ist.

Ueli Küng dankte der Referentin und machte auf die nächste Veranstaltung von S+S aufmerksam: 18. April: Vortrag über Burma. Den demissionierenden Marianne und Hanspeter Wyss dankte er für ihre Mithilfe bei S+S. Ferner konnte er mitteilen, dass die Homepage www.senioren-steffisburg.ch nach einem «Absturz» wieder aktiviert werden konnte.

Ein Dokupass kann für Fr. 19.– bei Pro Senectute, Malerweg, Thun bezogen werden. Dieser enthält folgende Dokumente:
– Patientenverfügung
– Vorlage für einen Vorsorgeauftrag (dieser muss handschriftlich verfasst werden)
– einen Vorsorgeausweis im Kreditkartenformat
– eine Informationsbroschüre.